Die Berichte zeigen Auffälligkeiten bei automatisierten Abrufen. Eine gezielte Auslieferung falscher Trefferlisten hat Google in den geprüften Quellen nicht bestätigt.
Was hinter der Diskussion um „gefälschte SERPs“ steckt
SERP steht für Suchergebnisseite. Ranking-Tools rufen solche Seiten automatisiert ab, um die Positionen von Websites zu erfassen. Liefert dieser Abruf unzuverlässige Daten, können daraus irreführende Berichte entstehen.
Nozzle untersuchte 27,5 Millionen SERPs aus 49 Ländern vom 20. August bis 9. Oktober 2026. Die am 10. Oktober veröffentlichte Analyse beschreibt normal aussehende Ergebnisseiten mit ungewöhnlich ausgetauschten Treffern. Abrufprobleme häuften sich ab 13. September; das auffällige Muster setzte laut Anbieter ab 20. September ein.
| Messgröße bei Nozzle | Ergebnis |
|---|---|
| Als auffällig klassifizierte SERPs seit 13. September | 8,0 % |
| Vergleichswert im Basiszeitraum | 0,17 % |
| Höchster Tagesanteil, 29. September | 27,0 % |
| Wiederkehrende Websites gegenüber dem vorherigen Abruf: Basis / auffällige SERPs | 88,5 % / 20,7 % |
| Wiederkehrende AI-Overview-Quellen: Basis / auffällige SERPs | 68,8 % / 42,3 % |
Zur Klassifizierung prüft Nozzle, ob weniger als die Hälfte der zuvor regelmäßig vertretenen Websites auftaucht und diese später nach definierten Kriterien zurückkehrt. Die Vergleichsgruppe bilden Websites, die im Basiszeitraum bei mindestens 60 Prozent der Abrufe unter den ersten zehn Treffern standen.
Diese Werte beschreiben Nozzles untersuchte Abrufe, nicht den Anteil falscher Ergebnisse für normale Google-Nutzer. Die Quellenüberschneidung misst zudem keine faktische Richtigkeit der KI-Antworten. [1]
Ein zweiter Anbieter meldet ähnliche Probleme
DemandSphere berichtete bereits am 7. Oktober über auffällige Ergebnisse in der eigenen Datenerhebung. Nach damaligem Stand waren ungefähr elf Prozent der täglich erfassten SERPs betroffen. Der Anbieter bezeichnet die Quote ausdrücklich als veränderlich und verweist auf zusätzliche Schwierigkeiten durch Blockierungen und Stichprobenverfahren. [2]
Damit liegt eine weitere Anbieterbeobachtung vor. Die Prozentwerte lassen sich jedoch nicht unmittelbar vergleichen: Keyword-Auswahl, Abrufweg, Zeitpunkt und Erkennungsmethode können voneinander abweichen. Ein daraus gebildeter „Marktdurchschnitt“ wäre nicht belastbar.
Manipuliert Google die Ergebnisse absichtlich?
Nozzle und DemandSphere interpretieren die Auffälligkeiten als Maßnahme gegen automatisierte Abrufe. Eine ausdrückliche Bestätigung Googles, gezielt falsche Trefferlisten auszuliefern, haben wir in den geprüften Quellen bis zum 14. Oktober nicht gefunden.
Belegt ist Googles grundsätzliche Position: Die Spam-Richtlinien nennen automatisierte Suchabfragen einschließlich des Scrapings zur Rankingkontrolle ohne ausdrückliche Erlaubnis als unzulässig. [3] Außerdem veröffentlichte Google im Dezember 2025 eine Stellungnahme zur eigenen Klage gegen SerpApi und begründete sie mit der Umgehung technischer Schutzmaßnahmen. Das dokumentiert Googles Position im Konflikt um Scraping, bestätigt aber keinen Austausch von Suchtreffern. [4]
Unsere Einordnung: Die Berichte sind ein ernst zu nehmender Hinweis auf Probleme der Datenerhebung. Die technische Ursache und eine mögliche Absicht sollten dennoch getrennt von den gemessenen Auffälligkeiten behandelt werden.
Auch „AI-Crawler“ ist hier zu ungenau: Ein Bot, der direkt eine Unternehmenswebsite besucht, führt damit noch keine Google-Suchabfrage aus. Ob ein bestimmtes KI-Angebot betroffen ist, hängt unter anderem davon ab, welche Suchdaten und Abrufwege es nutzt. Aus diesen Studien folgt keine pauschale Aussage über die Zuverlässigkeit von ChatGPT.
Warum verschiedene Ergebnisse noch keinen Beweis liefern
Ein Vergleich benötigt möglichst gleiche Bedingungen: Suchbegriff, Sprache, Standort, Gerät, Zeitpunkt und Anmeldestatus. Stimmen diese nicht überein, können Unterschiede andere Ursachen haben. Auch historische Top-10-Listen sind keine unveränderliche Referenz.
Für die Bewertung eines Tests wären deshalb wiederholte zeitgleiche Vergleiche zwischen automatisierten Abrufen und dokumentierten Browserabfragen besonders hilfreich. Dazu gehören Angaben zum Abrufverfahren und zur Definition einer auffälligen Ergebnisliste.
Ein inkognito geöffnetes Browserfenster kann eine zusätzliche Stichprobe liefern. Es ist aber kein allgemeingültiger Maßstab für alle Nutzer und Standorte. Ebenso beweist die Übereinstimmung zweier SEO-Tools noch keine unabhängige Bestätigung, wenn beide denselben Datenlieferanten verwenden.
Viele Impressionen ohne Klicks: Sind Bots verantwortlich?
Ein sprunghafter Anstieg von Impressionen ohne zusätzliche Klicks ist ein Anlass zur Prüfung. Aus diesem Muster allein lässt sich jedoch weder Bot-Traffic nachweisen noch dessen Anteil berechnen.
Google unterscheidet in der Search Console zwischen Impressionen und tatsächlichen Klicks. Auch für Links in AI Overviews werden diese Kennzahlen erfasst. Alle Links innerhalb einer AI Overview erhalten dabei dieselbe Position. Eine durchschnittliche Position ist deshalb nicht ohne Weiteres mit einem einzelnen klassischen Ranking gleichzusetzen. [5]
Für Unternehmen empfehlen wir: Zuerst die betroffenen Suchanfragen und Zielseiten eingrenzen, anschließend Länder, Geräte und Zeiträume vergleichen. Mehr Impressionen können beispielsweise auch mit zusätzlichen Suchanfragen, veränderter Nachfrage oder einem anderen Mix von Ergebnisdarstellungen zusammenfallen. Ob automatisierte Abrufe beitragen, braucht zusätzliche Belege.
Server-Logs der eigenen Website beantworten diese Frage nur begrenzt. Sie zeigen Zugriffe auf die Website; einen bloßen Abruf der Google-Ergebnisseite ohne anschließenden Websitebesuch erfassen sie nicht.
Welche Prüfungen Unternehmen jetzt helfen
Die folgende Tabelle ist unsere praktische Empfehlung, keine zusätzliche Aussage der Studien.
| Beobachtung | Sinnvolle Gegenprüfung | Konsequenz |
|---|---|---|
| Ein Keyword verliert im Tool plötzlich viele Positionen | Dieselbe Suchanfrage und Zielseite in der Search Console über mehrere Tage prüfen; Standort und Gerät abgleichen | Noch keine größere Inhaltsänderung allein wegen dieses Messpunkts |
| Viele Keywords brechen gleichzeitig ein | Datenaktualität und Statusmeldungen des Anbieters prüfen; Klicks der betroffenen Seiten vergleichen | Datenproblem und tatsächlichen Sichtbarkeitsverlust parallel untersuchen |
| Impressionen steigen, Klicks bleiben gleich | Suchanfragen, Länder, Geräte und durchschnittliche Position segmentieren | Ursache offenhalten; keinen pauschalen Bot-Anteil unterstellen |
| Ein GEO-Tool meldet weniger KI-Nennungen | Produkt, Modell, Prompt, Standort, Zeitpunkt und Quellen dokumentieren; vergleichbare Abfragen wiederholen | Veränderungen erst anhand mehrerer Beobachtungen bewerten |
| Auch organische Besuche und Anfragen gehen zurück | Betroffene Seiten, Indexierung, technische Änderungen und Nachfrage prüfen | Den Rückgang untersuchen, statt ihn vorschnell als Messfehler abzutun |
Entscheidend ist der Vergleich auf derselben Ebene. Stabile Gesamtklicks schließen den Verlust einer einzelnen wichtigen Leistungsseite nicht aus. Umgekehrt bedeutet ein schwächeres Keyword noch keinen Rückgang des gesamten Geschäfts.
Für einen lokalen Dienstleister in Hamburg könnte das heißen: Neben den Positionen ausgewählter Suchbegriffe werden die Klicks auf die relevante Leistungsseite und daraus entstehende Kontaktanfragen betrachtet. So bleibt erkennbar, ob sich nur ein Messwert verändert oder tatsächlich weniger potenzielle Kunden ankommen.
Die Einordnung von Think Possible
Wir empfehlen, Ranking-Tools weiterhin zu nutzen und auffällige Einzelwerte durch weitere Daten abzusichern. Wer ausschließlich auf eine Sichtbarkeitskurve reagiert, riskiert unnötige Änderungen. Wer jeden Rückgang als Tool-Problem abtut, kann echte Ursachen übersehen.
Dazu passt unsere Einordnung von Google-Update-Prognosen: Auch bei starken Ausschlägen sollte die Ursache geprüft werden, bevor daraus eine Erklärung abgeleitet wird.
Bei unserer SEO- und GEO-Beratung geht es darum, Sichtbarkeit, Website-Nutzung und konkrete Anfragen zusammen zu bewerten. Für Unternehmen ist vor allem entscheidend, ob die richtigen Menschen das Angebot finden und den nächsten Schritt machen können.
Quellen
- Nozzle: Poisoned Google SERPs – veröffentlicht 10.10.2026, Daten bis 09.10.2026.
- DemandSphere: Spurious data in Google SERPs – 07.10.2026.
- Google Search Central: Spam policies, Abschnitt Machine-generated traffic.
- Google: Why we’re taking legal action against SerpApi’s unlawful scraping – 19.12.2025; Googles damalige Stellungnahme, keine Darstellung des aktuellen Verfahrensstands.
- Google Search Console: What are impressions, position, and clicks?.